Freitag, 4. Oktober 2013

Koordinationshilfe: IDM – Information Delivery Manual

Schema der beiden Qualitätskontrollpunkte: vor Versand und direkt bei Empfang.
BIM kann in der täglichen Anwendung massiven Effizienzgewinn und bessere Wertschöpfung bringen, vorausgesetzt es ist sichergestellt, welche Informationen von den jeweiligen Projektbeteiligten in welcher Form erbracht werden. Als zentrales Steuerungswerkzeug dient hierzu das „Information Delivery Manual (IDM)“. Es beschreibt projektspezifisch, wer welche Arbeit wann und  in welchem Detaillierungsgrad macht und wie an wen liefert. Beispiel sind rar, doch gibt es Textvariante, sowie die grundsätzliche Zusammenfassung der internationalen Building Smart.

IDMs helfen dadurch die Prozessorganisation zu steuern. Dies erfolgt durch die Definition der Rollen, Verantwortungen und direkten technischen Bedingungen. Die Grundlage für diese Definitionen beinhalten sowohl die Kompetenzen als auch Anforderungen von Seiten der projektbeteiligten Planern, Architekten und der Bauherrschaft. Dadurch löst das IDM sowohl inhaltliche als auch technische Schnittstellen. Im Resultat kann das Risiko des Mehraufwandes zur Erstellung von informierten 3D-Modellen reduzieren werden.

In den USA und Grossbritannien ist der projektspezifische „BIM Execution Plan“ ein vergleichbares Medium, welches allerdings sehr umfangreich und formal gehalten sind. Beispiel: Aaron Maller's BIM Execution Plan.

Letztlich haben sich die kompakten IDMs bewährt: auf wenigen Seiten sind phasenspezifisch die Aspekte definiert. Der Versuch alle Details einer Planung und seiner Prozesse zu definieren ist praxisfern - und nur für die Juristen wichtig, sollte es zum Streitfall kommen.

Ein IDM klärt, ob es beispielsweise ein zentrales Muttermodell gibt und wer dieses koordiniert. Dadurch werden bereits weitgehend die Fragen nach der koordinierten und effizienten Aktualisierung disziplinspezifischen Informationen beantwortet. Ein Beispiel für die Definition von Prozessen ist die Art, wer als tragend definierte Wände im digitalen Modell spezifiziert: der Architekten oder der Tragwerksplaner. Mit der ISO 29481-1 von 2010 gibt es sogar eine umfangreiche „IDM-Norm“.

Im täglichen Gebrauch lassen sich die Kernqualitäten praxisnaher IDMs so zusammenfassen:
  • für jeden Projektpartner werden die jeweils im Projekt gewünschten Analysen und Simulationen beschrieben wie beispielsweise Kosten, Energie, etc. Daraus werden die zu modellierenden Informationen, Dateiformate, sowie die Richtungen von Weisung und Lieferung abgeleitet.
  • wichtig sind die Definition der Qualitätskontrollpunkte im Informationsfluss: von wem werden nach welchen Kriterien die Daten vor Versand und nach Empfang geprüft. Derzeit ist es zudem ratsam, dass man im IDM die Modell-Prüfungssoftware vorgibt.

Werden im IDM nicht die beabsichtigten Analysen und Simulationen definiert, welche mit den BIM-Modellen gemacht werden  -  dann wird es zu Überraschungen kommen. Entweder werden zu viele oder zu wenige Informationen in die BIM-Modelle integriert oder die informierten 3D-Modelle können nun auf Themen überprüft werden, welche der Modellierer nicht explizit bearbeitet hatte. Streit oder Frust ist die Folge. Beispielsweise liefert bereits ein einfaches Raummodell die Grundlage für die Ermittlung der Energieeffizienz oder Fluchtwegedistanz, obwohl dies der Planer vielleicht noch gar nicht berücksichtigte.

Autor: Odilo Schoch

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